Ressourcen schonen und unsere Umwelt für spätere Generationen erhalten – diese Idee liegt einem nachhaltigen Lebensstil zugrunde, der sich in den letzten Jahren immer weiter etabliert und auf die verschiedensten Lebensbereiche ausgeweitet hat. Auch im eigenen Zuhause wird längst Müll getrennt, bewusster geheizt, Plastik und Food Waste vermieden. Doch wie geht eigentlich nachhaltiges Einrichten und welche Möbel eignen sich dafür?

Der folgende Ratgeber hat alle Antworten und tolle Tipps, zeigt die wichtigsten Ökolabels sowie zu vermeidende Fallen.

1.  Nachhaltig einrichten – was bedeutet das eigentlich?

Nachhaltigkeit setzt sich aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten zusammen, die alle ein großes Ganzes ergeben. Auf die Einrichtung des Zuhauses bezogen, bedeutet es vor allem, Möbel zu nutzen, die klimafreundlich, aus heimischen Hölzern und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.

Wer ein nachhaltiges Wohnkonzept umsetzen möchte, sollte also auf Möbel und Accessoires aus nachwachsenden Rohstoffen setzen und auf kunststoff- oder gar schadstoffbelastete Möbel verzichten. Weiterhin sollte das Möbelstück aus nachhaltiger, am besten lokaler Forstwirtschaft stammen, wodurch lange Lieferwege entfallen, langlebig produziert und ausschließlich mit Lasuren oder Ölen auf natürlicher Basis behandelt worden sein.

2. Das sind die wichtigsten Öko-Siegel für nachhaltige Möbel

Nachhaltig produzierte Möbel sind durch verschiedene Siegel gekennzeichnet, die als Orientierungshilfe dienen können. Das hier sind die relevantesten:

  • Blauer Engel: Bei Möbeln, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, ist die Freisetzung von Schadstoffen wie Lösungsmittel, Formaldehyd und Weichmacher begrenzt. Das Holz stammt weitgehend aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Prüfung betrifft den gesamten Lebensweg der Produkte von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung.
  • Der Blaue Engel ist ein anerkanntes Prüfzeichen der Bundesregierung, das Produkte nach strengen Umweltschutzkriterien beurteilt.
  • FSC und PEFC kennzeichnen Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Dazu zählt das Holz von Möbeln, aber auch Spielzeug oder Papier.
  • Vom Expertenkreis der DGM und führenden Prüfinstituten entwickelt, informiert das DGM-Emissionslabel über den Schadstoffgehalt von Möbeln.
  • Das Goldene M zeichnet Möbel aus, die nach strikten Vorgaben geprüft werden. Die Möbel sind besonders hochwertig, stabil, sicher und umweltfreundlich.
  • Mit dem ÖkoControl-Siegel verpflichten sich Firmen zu einem schadstofffreien Produkt: Dieses Zertifikat wird an Möbel vergeben, die aus nachwachsenden Rohstoffen im biologischen Anbau gefertigt sind.
  • Standard 100 by Oeko-Tex zertifiziert gesundheitlich unbedenkliche Textilien und Lederwaren.
  • Das Label Klimaneutraler Hersteller bestätigt die Erzielung einer positiven CO2-Bilanz im Rahmen der Klimaschutz-Richtlinien der DGM.

3. Hochwertige, zertifizierte Möbel statt Billigmöbeln kaufen

Während man früher “Möbel fürs Leben” kaufte, die viele Jahrzehnte ihren Dienst taten, ist die Lebenserwartung von Möbeln heutzutage nicht mehr annähernd so lang. Dies

liegt zum einen in der oft schlechteren Verarbeitung, aber auch in wechselnden Möbeltrends begründet. Möchte man nachhaltig wohnen, sollte man also nicht jedem Möbeltrend hinterherlaufen, sondern stattdessen auf qualitativ hochwertige und langlebige Möbel setzen, die sich dennoch mit Accessoires dem Trend entsprechend dekorieren oder verändern lassen. Sich nach und nach auszustatten, anstatt auf einen Streich das gesamte Set günstiger Möbel zu kaufen, lässt auch dem eigenen Wohnstil Zeit, sich zu entwickeln.

Ein Großteil günstiger Möbel ist nicht aus zertifizierten Hölzern hergestellt, eher mangelhaft verarbeitet und dadurch kurzlebig. Zudem werden sie häufig unter unfairen Bedingungen in Asien oder Osteuropa produziert. Zu den Herstellern, die ihre Möbel in Deutschland bzw. Europa produzieren und dafür zertifizierte, europäische Laubhölzer verwenden, gehören beispielsweise TEAM 7 oder Grüne Erde.

Auch beim Schreiner können auf Wunsch hochwertige Möbel nach Maß erstanden werden – und das sogar oft zu erschwinglichen Preisen. Der größte Vorteil qualitativ hochwertiger Möbel: Sie halten wesentlich länger als “Billigmöbel” – und sind damit auf lange Sicht sogar günstiger als das Schnäppchen, das schon nach kurzer Zeit wieder durch etwas Neues ersetzt werden muss.

4. Auf heimische Hölzer statt auf Tropenhölzer setzen

Nicht nur die Qualität des Möbelstücks und seine Produktionsbedingungen, sondern auch das Material an sich spielt für nachhaltiges Wohnen eine große Rolle.

Grundsätzlich gilt das Einrichten mit Naturmaterialien, insbesondere Holz, Baumwolle, Leinen u.ä., als umweltfreundlich, doch ist hier Vorsicht geboten: Während Tropenhölzer wie Teak oder Bangkirai teils unter katastrophalen Umwelt- und Sozialbedingungen abgeholzt werden, lange Transportwege hinter sich haben und teilweise schadstoffbelastet sind, sind Hölzer aus heimischer und verantwortungsvoller Forstwirtschaft die bessere Wahl: Ahorn, Esche, Buche oder Eiche haben einen kurzen Transportweg, sind sehr robust und somit langlebig.

Möchte man beim Kauf von Holzmöbeln auf Nummer Sicher gehen, sollte man einmal mehr auf das FSC- oder das PEFC-Siegel achten, die einen Nachweis dafür liefern, dass das Holz aus einer nachhaltigen Bewirtschaftung stammt.

Neben den klassischen Holzarten gewinnt auch Bambus immer mehr an Bedeutung. Obwohl tropisch, ist es doch eine gute Wahl: Bambus ist hart und stabil, aber gleichzeitig leicht und biegsam, wodurch es sich umweltschonend transportieren lässt. Außerdem wächst es schnell nach. Aufgrund seiner dichten Zellstruktur quellt es nicht auf und reagiert kaum auf Luftfeuchtigkeit. Somit haben Möbel aus Bambus eine besonders lange Lebensdauer.

5. Textilien aus organischer Baumwolle verwenden

Ein ähnlich umweltschädigender Effekt wie bei den Tropenhölzern lässt sich auch bei Textilien finden, etwa beim wasser- und pestizidintensiven Anbau von Baumwolle. Als Naturfaser ist Baumwolle prinzipiell nachhaltiger als synthetische Fasern, denn es handelt sich um einen nachwachsenden und biologisch abbaubaren Rohstoff. Um die schädlichen Auswirkungen des Anbaus auf die Umwelt und die am Produktionsprozess beteiligten Menschen zu umgehen, empfiehlt sich aber auch hier, unbedingt auf zertifiziert organische Baumwolle zu setzen.

Biobaumwolle ist in vielerlei Hinsicht besser als herkömmliche Baumwolle: Der Anbau verbraucht weniger Wasser, kommt ohne chemische Pestizide aus und wird oft von Kleinbetrieben vollzogen. Außerdem ist organische Biobauwolle weicher und hypoallergen, verursacht also keine Hautreizungen.

Ein aussagekräftiges Siegel für Bio-Baumwolle ist das globale GOTS-Siegel, das Textilien aus Naturfasern entlang der gesamten Lieferkette zertifiziert. Noch etwas strenger ist das deutsche IVN-Siegel. Auch, wenn Produkte mit „kbA“ (=kontrolliert biologischer Anbau) gekennzeichnet sind, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass die Baumwollpflanzen aus Bio-Anbau stammen.

Auch Textilien aus Wolle oder Leinen sind eine schöne und nachhaltige Alternative zu herkömmlicher Baumwolle oder Naturfasern. Auch hier sollte man auf die entsprechenden Siegel zur ökologischen Herstellung achten.

6. Alte Möbel restaurieren statt wegwerfen

Nicht nur bei der Neuanschaffung von Möbeln und Textilien lässt sich durch die genannten Tipps ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit vollziehen. Auch mit bereits bestehender Einrichtung kann nachhaltig umgegangen werden, denn Nachhaltigkeit heißt auch Langlebigkeit. So sollten in die Jahre gekommene oder reparaturbedürftige Möbel nicht einfach weggeworfen und ersetzt, sondern stattdessen lieber restauriert werden. Wer seine Lieblingsmöbel zum Polsterer oder Schreiner bringt, kann sie dort – teils sogar zu moderaten Preisen – wieder auf Vordermann bringen oder sogar nach den eigenen Wünschen umgestalten lassen.

Sollte man sich jedoch wirklich von einem Möbelstück trennen wollen, so gibt es auch hier nachhaltigere Varianten als Wegschmeißen: Die Möbel lassen sich, je nach Zustand, noch spenden oder verschenken, oder aber zerkleinern und die Einzelteile weiterverwenden. So wird die Lebensdauer des Möbelstücks noch einmal beträchtlich verlängert.

Eine gute Möglichkeit, sich umweltbewusst und zugleich kostengünstig einzurichten, ist der Gang auf den Flohmarkt oder in entsprechende Second-Hand-Läden. Hier finden sich teils noch sehr gut erhaltene Vintageschätzchen, die mit nur wenigen Handgriffen wieder ein neues Leben bekommen.

7. Nachhaltiger Trend: DIY und Upcycling

Das einstige Öko-Image, das selbstgemachten oder aufgewerteten Einrichtungsgegenständen lange anhaftete, ist längst überholt: Tipps und Ideen rund um DIY- oder Upcycling-Projekte im eigenen Zuhause sind beliebter denn je. Kein Wunder, lassen sich so doch schnell und kostengünstig neue Möbel und Accessoires kreieren, die zugleich dem wachsenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein entgegenkommen. So werden alte Paletten im Handumdrehen zum schicken Balkonsofa, leere Weinflaschen zur Leuchte und das eigentlich ausgediente Schränkchen mit einem neuen Anstrich sowie neuen Möbelgriffen oder -füßen zum erneuten Hingucker.

Ob selbstgebaute Möbel aus Holzlatten oder Verschönerungen mit Wiener Geflecht – der Trend zum Naturmaterial ist ungebrochen. Auch bei der Dekoration sind Rattan, Kork oder Naturstein ganz vorne mit dabei, Plastik dagegen meist nicht recycelbar und daher out.

Dass die Verbindung von Design und Nachhaltigkeit immer wichtiger wird – und umweltbewusstes Wohnen eine schöne und moderne Einrichtung nicht ausschließt – zeigen auch Messen wie die Heim & Handwerk, die den Fokus neben lokaler Handwerkskunst auch verstärkt auf fair und nachhaltig produzierte Möbel setzt.

Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit bei sich zu Hause um?